Die zunächst fremde Kultur des Ehepartners ist anziehend und befremdlich zugleich. Drei christliche Ehepaare geben Einblick in Licht- und Schattenseiten ihres Alltags. Je ein Ehepartner ist Deutsch, der oder die andere stammt aus dem Libanon, aus Pakistan und aus Singapur.

Nachstehende Aussagen wurden anlässlich einer Konferenz aufgezeichnet. Durch die stichwortartige Wiedergabe soll der Charakter des Interviews erhalten bleiben.

Wie gut, dass ich durch meinen Ehepartner…

  • … eine große Horizonterweiterung erfahre, ein weites Herz für eine andere Kultur entwickelt habe und sie lieben lernte
  • … mit neuen Kochrezepten und mir bis dahin völlig unbekannten Gewürzen vertraut wurde
  • … neue Melodien hörte und schöne Kinderlieder entdeckte
  • … den Respekt vor Älteren wahrnahm, und auch, wie man sensibel mit Menschen umgeht
  • … lernte, dass es noch andere Blickpunkte gibt, an die ich bisher nie gedacht habe
  • … Pünktlichkeit lernte, viel direkter in meinem Reden sein darf, und dass man hier den Müll trennt
  • … Hilfe erfuhr, die deutsche Kultur zu verstehen. Ich wusste in meiner Kultur nie, wie ich dran war. Doch meine Frau war aufrichtig

Schwierigkeiten hatte oder habe ich, weil …

  • … trotz gleicher Sprache schneller Missverständnisse entstehen. Ich weiß manchmal nicht, was meine Frau eigentlich möchte. Sie lernte, stets höflich zu sein
  • … wir teilweise von Deutschen wie Ausländer behandelt und nicht so leicht akzeptiert werden
  • … ich vor allem unsere Töchter in der Erziehung stark behüten wollte. Deshalb war die Kindererziehung für mich schwer
  • … zeitweise meine Mutter bei uns lebte und sie sehr bestimmend war – so war es sie es von ihrer Heimat gewohnt
  • … ich mich auch nach vielen Jahren in Deutschland mit dem Orient innerlich stark verbunden fühle
  • … ich mich als ältester Sohn in starkem Maße für meine jüngeren Geschwister im Libanon verantwortlich fühle
  • … ich zu Deutsch sein wollte und es unterließ, mit meinen Kindern Arabisch zu sprechen. So konnten sie meine Mutter nicht verstehen
  • … ich feststellte, dass es für unsere Kinder schwierig war, wohin sie nun eigentlich gehörten. Sie werden zum Teil als Ausländer wahrgenommen und deshalb auch abgelehnt
  • … ich als Frau gerne mit meinem Mann ausgiebig reden möchte und er lieber eine Stunde lang Stille haben möchte oder für sich sein will

Für bikulturell Befreundete empfehle ich …

  • … darauf zu achten, dass der Partner an Jesus gläubig ist
  • … nach Gottes Führung zu suchen und nach Gewissheit, den Partner als von Gott gegeben anzunehmen
  • … bereit zu sein, Kompromisse einzugehen
  • … das Land des Partners zu bereisen und die Familie kennen zu lernen
  • … herauszufinden, was dem Partner schmeckt und auch sein Essen zu kochen
  • … sich stets von Jesus verändern zu lassen, weil er ja mein Herr ist und ich auch in Beziehung mit ihm lebe
  • … nicht aufgrund meines kulturellen Hintergrunds zu urteilen, denn das Verhalten des Partners ist manchmal nur anders – nicht schlechter oder besser
  • … zur Lösung von Problemen spazieren zu gehen, denn dann braucht man sich nicht ständig in die Augen zu schauen

 

Muss eine bikulturelle Ehe scheitern, weil die beiden zu wenig gemeinsam haben? Sich mit einer fremden Kultur und Sprache auseinandersetzen zu müssen, ist natürlich eine zusätzliche Belastung. Erwähnenswert erscheint mir aber, dass z. B. japanisch-amerikanische Ehen eine niedrigere Scheidungsrate aufweisen als rein amerikanische Ehen. Auch Ehen zwischen schwarzen Männern und weißen Frauen sind aufgrund einer Untersuchung stabiler als rein weiße Ehen und doppelt so stabil wie rein schwarze Ehen. Doch bei deutsch-türkischen Ehen ist die Scheidungsrate höher, besonders wenn die Frau Deutsche ist.

Da alle Menschen vor Gott gleich sind, sollten auch Christen nicht so auf die Unterschiede sehen, aber leider geschieht das doch häufig. „In Christus gibt es weder Jude noch Grieche.“ Kol 3,11, schreibt Paulus. Wenn er der gemeinsame Herr ist, ist auch das gemeinsame Gebet ein sehr verbindendes Element.

Verband binationaler Familien und Partnerschaften

Immer mehr Menschen leben in bikulturellen Ehen und Lebensgemeinschaften. Sie erleben besondere Schwierigkeiten. Wo finden sie Hilfe?

Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V., vertritt seit 1972 die Interessen binationaler Familien und Paare. Als gemeinnütziger Verein ist er in mehr als 30 regionalen Gruppen im In- und Ausland tätig. Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Beratung von Frauen und Männern in allen Fragen einer binationalen Beziehung. Seinen Hauptsitz hat der Verband binationaler Familien und Partnerschaften in: Frankfurt am Main, Tel.: 069/713 756-0 ; E-Mail: verband-binationaler@t-online.de;

Weitere Information zu bikulturelle und binationale Ehen

  • www.verband-binationaler.de – Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V.
  • www.1001geschichte.de – Hier schreiben betroffene Frauen und Männer ihre eher negativen Erfahrungen mit Muslimen. Geschichten zum Beispiel aus gescheiterten binationalen Beziehungen mit orientalischen Männern.
  • www.verein-fibel.at – Eine Homepage, die mehr die positiven Aspekte betont: „Fraueninitiative Bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften – Österreich. Bikulturelle Familien und Partnerschaften bieten besondere Chancen für die ganze Gesellschaft: Sie können beispielgebend sein für das Bemühen um Toleranz und Achtung anderen Kulturen gegenüber. Zwei Welten Eine LiebeMenschen in bikulturellen Beziehungen sind eher bereit, das „Anderssein“ des Partners oder der Partnerin anzunehmen.”
  • „Zwei Welten – eine Liebe“ von Eberhard Mühlan sind in Arabisch, Deutsch und Englisch bei uns erhältlich. Eine Leseprobe in Deutsch
aus: Orientierung 2004-03, 23.06.2004

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