Begegnungen im Alltag

Seit vielen Jahren pflege ich Beziehungen zu verschiedenen ausländischen Familien. Hier ein paar Eindrücke aus unserem Alltag mit muslimischen Freunden und Bekannten:

Es klingelt. Die kleine G. von gegenüber bringt türkische Pizza vorbei. Sie guckt mir über die Schulter, während ich gerade die Kinderstunde für den nächsten Tag vorbereite. Sie stellt ein paar Fragen.

Die alte Frau Ü. klingelt. Sie hat Schwierigkeiten mit dem Sozialamt. Weil sie nicht lesen und schreiben kann, füllen wir den Antrag gemeinsam aus.

Ich telefoniere mit F. Sie weint. Ihr Mann ist drogenabhängig. Sie ist völlig verzweifelt. Schon oft haben wir miteinander über ihre Situation nachgedacht. Ich bete mit ihr.

A. sitzt im Rollstuhl. Sie freut sich über meinen Besuch. Wir spielen Mensch-ärgere-dich-nicht oder reden. Manchmal über den Glauben. Es scheint ihr unmöglich, dass Gott Mensch geworden ist, um ihre Sünde auf sich zu  nehmen.

M. klingelt. Sie kommt mit ihren Matheaufgaben nicht weiter. Außerdem borgt sie sich eine Taschenlampe für die Klassenfahrt. Wir haben ein gutes Gespräch darüber, wie Gott Sünde vergibt.

Einige türkische Frauen kommen mit ihren Kindern zum Frühstück. Wir spielen ein paar Runden Ligretto.

N. hat ein Baby bekommen. Ich bringe ihr ein kleines Geschenk und einen türkischen Abreißkalender mit. Wir haben ein gutes Gespräch. Ihr Mann ist an der Bibel interessiert.

M. kommt nach der Schule kurz vorbei, um zu erzählen, wie die Mathearbeit gelaufen ist. Dann stellt sieviele Fragen. Sie ist verwirrt. Was soll sie glauben? Von ihren Eltern hört sie etwas ganz anderes als bei uns. Ich bin froh. Darf ich sie doch auf Gott selbst hinweisen, der sich finden lässt von dem, der ihn sucht.

Es klingelt wieder. A. fragt, ob ich ihre Hose kürzen kann. Sie guckt zu und erzählt dabei von ihrer neuen Ausbildungsstelle und ihrem Freund (- psst, das weiß noch keiner!).

Das sind einfach einige Eindrücke aus unserem Alltag. Manche dieser Kontakte sind durch die Kinderarbeit in unserem Haus entstanden, andere durch evangelistische Straßeneinsätze. Aus einer unscheinbaren Begegnung, einem Gruß, einem kleinen Gefallen oder einem einfachen Gespräch auf der Straße, im Krankenhaus, am Arbeitsplatz oder in der Schule können langfristige, tiefe Beziehungen wachsen. Einige Familien besuche ich wöchentlich, andere sehen ich nur ab und zu. Wir möchten ihnen Freunde sein. Und wir merken: Muslime sind Menschen wie du und ich. Menschen mit Sorgen und Freuden, Stärken und Schwächen, Heimweh, Liebeskummer und Bauchweh. Und es sind verlorene Menschen, die den Herrn Jesus brauchen.

Sät man Kressesamen, kann man schon nach wenigen Tagen ernten. Avocados dagegen brauchen ungefähr zehn Jahre, bis die erste Frucht zu sehen ist. Unser Anliegen ist es, dass unsere Freunde den Herrn Jesus kennen lernen. Wann Gott sich ihnen offenbart, wissen wir nicht. Wir säen. Einfach, indem wir ihnen im Alltag begegnen, und indem wir sie in unser Leben hineingucken lassen.

aus Orientierung: M # spezial 1-2023